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Frau, selbständig, gleichberechtigt. Ganz normal.

Vor einiger Zeit sagte eine ehemalige Kollegin zu mir (ihr Mann ist selbständig, sie arbeitet 100%):

„Um Haushalt und Kochen kümmere ich mich. Das kann man dem Mann nicht auch noch zumuten.“

Damals dachte ich mir schon: Warum eigentlich nicht?

Heute fällt mir dieser Satz oft wieder ein. Meistens dann, wenn ich nach einem langen Arbeitstag mit den Hunden draussen war, das Futter vorbereite, den Herd schrubbe, die Wäsche im Trockner wartet und im Kopf schon die nächsten Kundentermine plane. Während irgendwo im Hintergrund noch ein Webinar läuft.


Versteht mich nicht falsch – für mich persönlich ist das Thema „Gleichberechtigung“ kein Kampfbegriff. Ich lebe sie. Jeden Tag. Seit meiner Jugend. So bin ich aufgewachsen, und dafür bin ich meinen Eltern zutiefst dankbar.

Mein Mann und ich führen ein gemeinsames Leben. Beruflich wie privat. Wir beide arbeiten viel, unterstützen uns gegenseitig, und wer gerade mehr Zeit für Hausarbeit hat, macht eben mehr. Kein Drama, keine Ideologie, einfach nur unser Alltag.

Und trotzdem hält sich dieses alte Bild hartnäckig: Der Mann, der hart arbeitet und sich deshalb um nichts anderes kümmern „muss“. Ich verstehe, dass es bequem ist, diese Rolle anzunehmen. Wer würde es nicht geniessen, wenn sich andere um alles kümmern?
Aber was ich wirklich nicht verstehe: Warum so viele Frauen dieses Bild weiterhin unterstützen.

Was mir aber immer wieder auffällt, gerade unter selbständigen Frauen: Viele tragen diesen stillen Druck in sich, alles gleichzeitig machen zu müssen. Erfolgreich im Business, präsent in der Familie, strukturiert, motiviert, freundlich, organisiert … am besten noch mit frisch gewischtem Boden und perfekt geschminkt und frisiert auf den Hundespaziergang.

Aber das ist kein Zeichen von Stärke – das ist ein Weg direkt in die Erschöpfung.

Manchmal denke ich, wir Frauen sind selbst unsere strengsten Chefinnen. Wir verlangen von uns Perfektion, wo „gut genug“ völlig reichen würde. Dabei lernen uns gerade unsere Hunde etwas anderes: Präsenz. Geduld. Gelassenheit. Sie fragen nicht, wer den Napf füllt. Ihnen ist egal, ob der Rasen heute oder morgen gemäht wird. Sie freuen sich einfach, dass das Futter kommt und dass sie auf dem Rasen rumrennen dürfen. Egal, ob er perfekt gemäht ist. Vielleicht sollten wir uns davon ein Stück abschneiden. Das Leben einfach mal geniessen, wie es ist. 


Vielleicht liegt es an der Erziehung. Vielleicht an der Vorstellung, was „weiblich“ oder „mütterlich“ bedeutet. Vielleicht an einem stillen Stolz darauf, alles allein zu schaffen.

Doch für mich heisst Emanzipation nicht, alles selbst zu machen – sondern gemeinsam Verantwortung zu tragen.
Ob im Beruf, im Haushalt oder im Leben: Gleichberechtigung beginnt da, wo keiner mehr sagt „Das kann man Mann nicht auch noch zumuten» oder «Eine Frau kann das nicht».


Und während ich das hier schreibe, ruft mein Mann aus seinem Büro im unteren Stock zu mir hoch, was er heute zum Abendessen kochen soll. Er tut das nicht, weil ich es von ihm erwarte. Sondern weil wir unser Leben gemeinsam tragen.

Welche Erfahrungen habt ihr mit Gleichberechtigung im Alltag – als Frau oder als Mann?
Funktioniert die Aufteilung für euch so, wie ihr sie euch wünscht?
Und gibt es Bereiche, in denen ihr euch manchmal immer noch in eine Rolle gedrängt fühlt?

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